Leben Regierung und Bürger wirklich in der selben Realität?

Wer die Ereignisse der letzten Zeit mal Revue passieren läßt, fragt sich ernsthaft, ob es nicht doch alternative Realitäten gibt.

Besonders auffällig geworden ist diese Frage bei der Diskussion zwischen dem Vorsitzenden der Piratenpartei Dirk Hillbrecht und Prof. Rupert Scholz (CDU). Hillbrecht ging sehr sanft mit Scholz um; vielleicht auch; weil es ihm noch etwas an rhetorischem Feinschliff mangelte. Doch daran kann und wird er noch arbeiten.

Besonders faszinierend erscheint mir auch die Frage, ob die Politik mittlerweile von leicht einsetzender Schizophrenie geprägt wird. Einerseits werden Internetsperren in Deutschland eingeführt, andererseits kritisiert EU-Medienkommissarin Viviane Reding die chinesische Regierung für das Blockieren oder Filtern bestimmter Inhalte. Frau Reding, die machen nichts anderes als das, was Ihr auch vorhabt. Nur etwas ausgefeilter und im größeren Rahmen. Nur mal so als kleine Anmerkung.

In welcher Realität leben wir?

Ich lebe online. Online in einer Welt, die längst Realität ist. In einer Welt, in der zu jeder Zeit die neuesten Nachrichten und Schlagzeilen abrufbar sind. Einer Realität, der Printmedien und auch das Fernsehen schon längst nicht mehr folgen können. Wenn eine Schlagzeile im Fernsehen erscheint, ist sie im Grunde genommen längst Schnee von gestern und tausende Male bereits im Internet veröffentlicht worden, siehe hierzu der Tod von Michael Jackson. Ich entscheide hier, wann ich welche Nachricht wie konsumiere.

Ich bin kein Einzelfall. Alle Leute die ich kenne leben auch so, mehr oder weniger. Und deren Freunde auch. Wir sind viele, so viele, daß wir in sechs Wochen 134.000 Unterschriften zusammenbekommen ohne das Haus verlassen zu müssen. Wir sind definitiv keine 80 Millionen und wir haben den Rest dieses Landes so dermaßen weit abgehängt, daß wir nicht einmal mehr eine gemeinsame Sprache haben. Wenn irgendwas in dieser Diskussion deutlich geworden ist, dann das.

Internetausdrucker und Leute, die den Kugelschreiber für neueste Technologie halten, verstehen uns nicht und verstehen schon gar nicht das Internet. Verstehen nicht mal, was Computer genau sind und sprechen von dem Internet. Und die Generation Rupert Scholz glaubt, sie hätte noch politischen Gestaltungsspielraum in einer Welt, die der Ihren bereits um Quantensprünge voraus ist.

Ich ende mit einem Zitat von Kristian Köhntopp:

Rupert Scholz und mit ihm die Partei, die er repräsentiert, stehen für diese Welt der Zurückgebliebenen. Wir nennen sie Alte Männer mit Kugelschreibern oder Internetausdrucker. Wir wissen nicht, wie wir mit ihnen reden sollen und wie wir ihnen unsere Welt erklären sollen, und wir hoffen, daß es eine biologische Lösung für dieses Problem gibt.

Bis dahin bekämpfen wir gemeinsam mit Zensursula mal auf wirksame Art und Weise das Böse der Welt:

Die Grafik erläutert die Funktionsweise der Netzsperren

P.S.: Genauso funktionieren auch die geplanten Netzsperren. Umgehungszeit der vorgesehenen Art zu sperren: gestoppte 12 Sekunden unter Windows 7...

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