..oder: vermanscht das Internet unser Hirn?

Frank Schirrmacher, der als einer der führenden Intellektuellen unseres Landes gilt, schrieb ein vielbeachtetes Buch, in dem er die These aufstellt, dass uns eine Machtübernahme durch autoritäre Maschinen drohen könnte. Als ein Beispiel nennt er z.B. Google:

Google ist nicht nur eine Suchmaschine, sondern auch eine Machtmaschine und entscheidet mittlerweile über die Existenz von Menschen, Dingen und Gedanken. Unsere schöne neue Informationswelt wird von den Überlebensgesetzen Darwins beherrscht.”

Nun, in mir ruft das als erstes einmal Assoziationen mit James Camerons “Terminator” hervor. Das, was er uns letztendlich sagen möchte ist nur, dass wir die Kontrolle über unser Denken zurückgewinnen sollen und uns nicht von Maschinen wie Computern vorschreiben lassen sollen, wie wir zu lernen oder Informationen aufzunehmen haben. Überhaupt mit der Informationsaufnahme an sich hat er es. Es ist halt sehr anstrengend in der heutigen Zeit ein Informationsverarbeiter zu sein. Dem kann man nur beipflichten.

Der tägliche Informationswahnsinn

Kaum habe ich am Morgen die Augen auf, ist der Rechner bereits hochgefahren und Einsatzbereit. EMailclient und Feedreader werden geöffnet und die Informationsflut ergiesst sich über den Bildschirm. Mail lesen und ggf. bearbeiten geht noch, bei Ende der Feed-Sichtung jedoch ist bereits die zweite Tasse Kaffe fällig. Aber ist doch so wichtig, man muss ja auf dem neuesten Stand bleiben… Anschließend noch schnell Twitter öffnen und sich durch unzählige Tweets kämpfen; man könnte ja eine wichtige Neuigkeit verpassen. Selber was twittern will man auch und zwischendurch mal eben wichtige Links bei Delicious bookmarken. – Schließlich sind auffindbare Lesezeichen immer gut.

Arbeiten müsste man ja auch mal was, die täglichen Aufgaben werden ja nicht weniger. Doch ein PopUp-Fenster von Twitter hier, eins des Feedreaders dort und das wichtigste Gesetz überhaupt ist schnell zum Teufel: das Gesetz der Konzentration.

Man kann also schnell das Gefühl gewinnen, man sei doch überfordert. Ich für meinen Teil habe dieses Problem gelöst.

Ich twittere niemals wieder…

Um das mal mit Chief Joseph, Häuptling der Nez-Perce zu sagen. Vor etlichen Monaten legte auch ich mir einen Twitter-Account zu und twitterte anfangs auch recht begeistert. Mehr und mehr gefiel mir jedoch die ständige Ablenkung auf, die ich durch Twitter erfahre. Dabei hat nicht mal Twitter schuld, sondern ich, weil ich ständig denke, ich würde was verpassen. Mittlerweile habe ich diese kleinen Problemchen gelöst. Twitter ist für mich entbehrlich geworden, ich twittere einfach schon seit Wochen nicht mehr wirklich. Und denke eingehend drüber nach, meinen Account zu löschen, womit ich perfekt in die Statistik der schwindenden Nutzerzahlen von Twitter reinpasse.

Auch mein Feedreader ist nun nur mehr zweimal am Tag geöffnet und die darin enthaltenen News werden eher gescannt als gelesen, da ich nun Anhand der Überschriften entscheide, ob der Inhalt für mich relevant ist oder eben nicht. Wichtige Dinge speichere ich als Lesezeichen (neudeutsch: Bookmark) bei Delicious ab, da kann ich die Dinge, welche mich interessieren und die ich wirklich benötige schnell wieder auffinden. So kann ich mich wieder auf das konzentrieren, was wirklich wichtig ist.

Schirrmachers Szenario

Schirrmacher interpretiert die von ihm selbst erlebte Überforderung als einen Vorboten dessen, was der gesamten Menschheit drohe: Ein Informations- und Kommunikations-Alptraum, vor dem wir, fürchtet Schirrmacher, in die stählernen Arme der Maschinen flüchten werden, die dann die Herrschaft über uns übernehmen.

Zitat Spiegel Online – Erschöpft, aber nicht geknechtet

Wenn die Maschinen die Herrschaft über uns Menschen übernehmen weiß ich bereits die Lösung, schließlich habe ich Camerons Terminator bei mir im Schrank stehen:

Wir müssen um alles in der Welt John Connor schützen. Erst wenn die Maschinen den kriegen, sind wir erledigt.

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