Im ersten Teil dieser Artikelreihe habe ich etwas zur Geschichte der Webstandards erzählt und in diesem Teil soll es nun etwas weiter in die Tiefe gehen und erläutert werden, was sich genau hinter den Webstandards verbirgt und welche Vorteile sie bieten.
Was gehört denn zu den sogenannten Webstandards?
Webstandards sind Technologien oder Websprachen, die vom World Wide Web Consortium (W3C) oder anderen Organisationen, welche sich um die Webstandards kümmern zu Verfügung gestellt und gepflegt werden für die Erstellung von webbasiertem Inhalt.
Die Zielsetzung dieser Organisationen ist dahingehen, die Nutzbarkeit von Webdokumenten auch in Zukunft zu gewährleisten und zu erhalten, um sie so vielen Menschen wie möglich zugänglich machen zu können.
Bei den jetzt folgenden Bereichen werde ich nur die gebräuchlichsten nennen, man möge es mir nachsehen. Diese Artikelreihe dient schliesslich der Information und soll keine Doktorarbeit werden.
Die Inhalts (Struktur) Sprachen:
Die Layout oder Präsentationssprachen:
- CSS 2.1
- CSS Level 3 (noch in der Entwicklung befindlich) Aktueller Entwicklungsstand CSS 3.0
Die Objektmodelle
- Document Object Model (DOM) Technical Reports
- Document Object Model (DOM) Level 3 Core Specification
Behandeln werde ich in diesem Artikel XHTML 1.0 für den Inhalt eines Webdokuments und CSS 2.1 für das Layout.
Eine Webseite auf Grundlage der Webstandards zu erstellen heißt nicht nur die Verwendeung einer der oben genannten Sprachen, sondern setzt es auch folgende Dinge voraus:
- Das XHTML des Dokumentes muss valide sein.
- Statt das Design in Tabellen zu verschachteln wird ausschliesslich CSS zum Layouten verwendet.
- Es muss semantisch korrektes Markup verwendet werden.
- Es muss sinnvoll strukturiert sein.
- Es sollte natürlich auch in jedem Webbrowser funktionieren.
Heisst in jedem Browser funktionieren nun, dass es überall gleich aussieht? - Natürlich nicht, denn Webseiten sind ja keine Gemälde. Eine Webseite so zu erstellen, dass sie in jedem Browser pixelgenau gleich aussieht ist unmöglich. Dies ginge nicht mal, wenn man nur Grafiken als Grundlage nehmen würde, mal abgesehn von der damit verbundenen Problematik der Indexzierung seitens Google.
Webseiten werden mit einer Vielzahl an unterschiedlicher Software auf unterschiedlichen Betriebssystemen angeschaut und dieses wiederum mit unterschiedlichen Monitoren, welche sich in Größe, Auflösung und Qualität der Darstellung zum Teil erheblich voneinander unterscheiden. Teilweise sind die Standardschriftgrößen der Browser den Bedürfnissen der User angepasst und andere Einstellungen sind ebenfalls evtl. geändert.
Webseiten zu entwickeln heisst, mit technischen Einschränkungen leben zu müssen und diese auch zu akzeptieren.
Welche Vorteile bringt die Beachtung der Webstandards für Webentwickler?
Leider schert sich ein Großteil der Webdesigner und der Designagenturen immer noch nicht um die Einhaltung der Webstandards. Es herrschen Kostendruck, fadenscheinige Argumente kommen zum Vorschein wie z.B. Webstandards einzuhalten würde mehr Geld kosten, zu schwierig sein oder aber "es funktioniert doch auch ohne sie"... Das ist nichts weiteres als die natürliche Reaktion der Menschen auf etwas Neues und Nichtbekanntes. Nüchtern betrachtet und analysiert bringen Webstandards jedoch erhebliche Vorteile:
- Die Entwicklung und die Pflege einer Webseite wird einfacher: strukturiertes und semantisch korrektes HTML ist bedeutend einfacher zu verstehen, auch für andere.
- Ca. 30 - 50% weniger Quellcode, durch "Outsourcing" des Layouts. Da das Layout ausschliesslich über eine oder mehrere externe CSS Dateien gesteuert wird, ist der Quelltext um diese Last bereinigt.
- Schnellere Ladezeit, da das Layout nur einmal in den Browsercache geladen wird und weniger Quellcode bedeutend kleiner Dateien schafft, die downgeloadet werden müssen. Zudem stellen Browser im Standardmode Dateien schneller dar wie im rückwärtskompatiblen Modus.
- Leichtere Anpassung der Seite an unterschiedliche Medien, z.B. eigenes Drucklyout oder Layout für Handies. Ich muss hierzu nur eine CSS Datei ergänzen.
- Miteinbeziehung von sehbehinderten Mitmenschen, da ScreenReader freundlich. Auch sind wir hier beim Stichwort Barrierefreiheit/armut Semantisches und sinnvoll strukturiertes HTML ist für Screenreader und andere alternative Ausgabegeräte bedeutend einfacher zu verstehen.
- Äußerst kostengünstige Pflegbarkeit, da bedeutend weniger Zeit in die Aktualisierung/Pflege gesteckt werden muß. Wenn ich etwas am Layout ändern möchte (z.B. Headerbild) fasse ich nur noch eine Datei an und nicht mehr jede einzelne Seite.
- Verbessert den Rang in den Suchmaschinen. Da die strikte Trennung von Inhalt und Layout dem Inhalt einen größeren Anteil an der Dateigröße einräumt. Denn Content ist ja bekanntlich King. Das im Zusammenhang mit sinnvoll strukturierten und semantisch korrektem Markup verbessert tatsächlich den Rang in den Suchmaschinen.
- Zukunftssicherheit durch Kompatibilität mit anderen Browser, die vielleicht noch kommen werden. Hier wird das Risiko vermindert, dass zukünftige Browsergenerationen mit dem verwendeten Code nicht zurechtkommen.
Weiterführend erklärt das Web Standards Project in seinem FAQ ausführlich die Vorteile der Arbeit mit den Standards.
Die Validierung von Webseiten.
Eine Webseite zu validieren heisst nichts anderes als zu kontrollieren, ob es fehlerfrei in der jeweiligen Websprache geschrieben wurde. Vergleichen lässt sich dies mit der Durchsicht eines Diktates in der Schule von einem Lehrer. Hier wie dort wird auf Grammatik und Fehler geprüft. Auftretende Fehler in einer Webseite können vielschichtig sein und reichen vom Tippfehler bis zu falsch (so nicht oder in der Kombination nicht erlaubten) verwendeten Elementen. Beim Arbeiten an einer Unterseite eines Projektes können sich durch Copy and Paste schnell mal Fehler einschleichen. Daher ist eine Validierung immer unabdingbar.
Fehlerbehaftetes und nachlässig geschriebenes Markup ist leider heutzutage immer noch sehr weit verbreitet, was auch daran liegt, dass viele Webdesigner ihre Seiten nicht validieren. Zum Teil aus Unwissenheit aber auch aus Vergesslichkeit oder gar bewusst.
Vorteilhaft für diejenigen ist natürlich, dass die meisten Webbrowser versuchen, fehlerhaftes Markup so korrekt wie möglich darzustellen. Was im Umkehrschluss für die Webstandards eher nachteilhaft sein dürfte...
Wie validieren?
Nun, einige Editoren haben eingebaute Tools zum validieren von Webseiten, z.B. der Phase 5 Editor. Falls Ihr Editor keine Validierungsmöglichkeit bietet, so haben sie hier bei den Validatoren des W3C die Möglichkeit, Ihre Seiten zu validieren:
W3C Validator für HTML / XHTML
Die von den Validatoren ausgegebenen Fehler sind manchmal nicht ganz einfach zu verstehen, daher könnte diese Seite sehr hilfreich bei der Fehlersuche sein:
Common XHTML Validation Errors
Im Dritten Teil dieser Artikelreihe werde ich einmal genauer auf die Semantik eingehen, was ich eigentlich schon in diesem Teil wollte, jedoch wäre der Artikel dann unlesbar lang geworden.



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